Infografik: Die 5 Phasen der TISAX-Vorbereitung von der Scope-Definition bis zum Assessment
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TISAX Vorbereitung: In 5 Phasen zum erfolgreichen Assessment

TISAX Vorbereitung: In 5 Phasen zum erfolgreichen Assessment

Kai Irmler

Head of Compliance Services

18 Mar 2026

10 min

Kai ist ein erfahrener Experte für Informationssicherheit und Compliance-Spezialist. Als Head of Compliance Services bei SECJUR unterstützt er Unternehmen beim Aufbau eines effizienten ISMS, der Audit-Vorbereitung und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Mit Erfahrung in diversen Branchen, weiß er worauf es bei erfolgreichen Audits ankommt. Er hat bereits zahlreiche Unternehmen bei der ISO 27001-Zertifizierung oder dem TISAX-Testat begleitet und berät zu IT-Sicherheit und Compliance-Strategien.

Key Takeaways

Die TISAX-Vorbereitung dauert je nach Ausgangslage 3 bis 12 Monate, wobei die Implementierungsphase den größten Zeitblock ausmacht.

Eine saubere Gap-Analyse gegen den VDA ISA Katalog in Phase 2 spart in der Implementierung Wochen, weil sie Prioritäten setzt statt Aktionismus.

TISAX basiert auf dem VDA ISA Katalog, der wiederum auf ISO 27001 aufbaut. Wer bereits ein ISMS betreibt, kann die Vorbereitung auf 3 bis 6 Monate verkürzen.

Die ENX Association gibt nach dem Assessment bis zu 9 Monate für Nachbesserungen. Ein Durchfallen ist selten, Abweichungen dagegen normal.

Ihr OEM verlangt ein TISAX-Label, und Sie stehen vor der Frage: Wo anfangen? Die Vorbereitung auf das TISAX-Assessment ist kein Hexenwerk, aber sie folgt einer klaren Logik. Wer die Reihenfolge kennt, spart Zeit und vermeidet typische Stolpersteine.

Dieser Artikel zeigt den Weg vom Projektstart bis zum bestandenen Assessment in fünf Phasen, mit realistischen Zeitangaben und konkreten Hinweisen, was in jeder Phase passieren muss.

So bereiten Sie sich auf TISAX vor: Die 5 Phasen im Überblick

Die TISAX-Vorbereitung lässt sich in fünf aufeinander aufbauende Phasen unterteilen: Scope-Definition, Gap-Analyse, Implementierung, Auditor-Auswahl und das Assessment selbst. Je nach Ausgangslage dauert der gesamte Prozess zwischen 3 und 12 Monaten. Unternehmen, die bereits ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) betreiben, können deutlich schneller sein, weil sie in Phase 3 weniger aufbauen müssen.

Die Implementierungsphase (Phase 3) ist der größte Zeitblock. Wer hier Abkürzungen nimmt, zahlt beim Assessment drauf. Umgekehrt gilt: Wer Phase 1 und 2 sauber macht, reduziert den Aufwand in Phase 3 erheblich.

Phase 1: Scope festlegen und Projekt aufsetzen

Bevor irgendetwas implementiert wird, müssen drei Fragen beantwortet sein:

1

Welche Standorte und Prozesse gehören in den Scope?

Nur die Bereiche, die mit schützenswerten Informationen Ihres OEM in Berührung kommen. Ein zu breiter Scope treibt Kosten und Dauer nach oben, ohne Nutzen.

2

Welches Assessment Level brauchen Sie?

Das hängt davon ab, was Ihr OEM verlangt. In den meisten Fällen ist AL2 (Remote-Plausibilitätsprüfung) oder AL3 (Vor-Ort-Audit) gefordert. Welches Level für Ihr Unternehmen passt, erklären wir im Vergleich der TISAX Assessment Levels.

3

Welche Prüfziele sind relevant?

TISAX unterscheidet zwischen Informationssicherheit, Datenschutz und Prototypenschutz. Nicht jedes Unternehmen braucht alle drei Module.

Parallel dazu sollten Sie das Projektteam zusammenstellen. Sie brauchen mindestens eine verantwortliche Person (oft der Informationssicherheitsbeauftragte) und Ansprechpartner in IT, HR und Fachabteilungen. Die Geschäftsführung muss das Projekt mittragen, denn ohne deren Rückendeckung versandet es spätestens in Phase 3.

Phase 1 dauert typischerweise 2 bis 4 Wochen. Am Ende steht ein klar definierter Scope, ein Projektteam und ein realistischer Zeitplan.

Phase 2: Ist-Analyse und Gap-Assessment

In Phase 2 gleichen Sie Ihren aktuellen Stand gegen die TISAX-Anforderungen ab. Die Grundlage dafür ist der VDA ISA Katalog, ein Fragenkatalog mit mehreren hundert Kontrollfragen, gegliedert in die Module Informationssicherheit, Datenschutz und Prototypenschutz.

Konkret läuft das so ab: Sie gehen den Katalog Frage für Frage durch und bewerten, wie ausgereift Ihre bestehenden Maßnahmen sind. Der VDA ISA arbeitet mit Reifegraden von 0 bis 5, wobei Sie für ein bestandenes Assessment typischerweise Reifegrad 3 ("etabliert und dokumentiert") erreichen müssen.

Praxisbeispiel

Ein Automobilzulieferer mit 120 Mitarbeitern stellt bei der Gap-Analyse fest: Zugriffskontrolle und Backup-Management sind gut aufgestellt (Reifegrad 3-4), aber es fehlt ein formaler Incident-Response-Prozess (Reifegrad 1). Statt alles gleichzeitig anzufassen, priorisiert das Team die kritischen Lücken und beginnt die Implementierung dort.

Welche konkreten Controls der VDA ISA Katalog verlangt, zeigt unser Überblick zu den TISAX Anforderungen. Den VDA ISA Fragenkatalog Punkt für Punkt erklärt finden Sie in unserer TISAX Checkliste.

Phase 2 dauert bei einem mittelständischen Unternehmen 3 bis 6 Wochen. Am Ende haben Sie eine priorisierte Liste der Lücken und wissen, wo der größte Handlungsbedarf liegt.

Phase 3: Maßnahmen umsetzen und ISMS aufbauen

Phase 3 ist der Kern der Vorbereitung und gleichzeitig der größte Zeitblock. Hier schließen Sie die Lücken, die Phase 2 aufgedeckt hat. Die Maßnahmen lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

Technische Maßnahmen: Zugriffskontrolle, Verschlüsselung, Netzwerksegmentierung, Backup-Konzept, Monitoring. Was genau gefordert ist, hängt vom Assessment Level und den gewählten Prüfzielen ab.

Organisatorische Maßnahmen: Richtlinien schreiben (Informationssicherheitsrichtlinie, Zugriffsrichtlinie, Passwortrichtlinie), Prozesse definieren (Incident-Response, Change-Management) und Schulungen durchführen. Der Auditor prüft nicht nur, ob eine Richtlinie existiert, sondern ob sie gelebt wird.

Dokumentation: Ohne Dokumentation kein Nachweis. Der Auditor braucht Nachweise für alles: Risikoanalysen, Schulungsbelege, Prüfprotokolle, Freigabeprozesse. Die Dokumentation parallel zur Implementierung aufzubauen spart Zeit, weil Sie nicht im Nachhinein rekonstruieren müssen, was Sie wann gemacht haben.

Eine ISMS-Plattform wie SECJUR Digital Compliance Office hilft, Richtlinien, Risikobewertungen und Nachweise zentral zu verwalten, statt alles in Excel-Tabellen zu pflegen. Der Vorteil: Das System bleibt nach dem Assessment bestehen und erleichtert die Rezertifizierung nach drei Jahren.

"Die meisten Unternehmen unterschätzen Phase 2. Wer die Gap-Analyse sauber macht, weiß genau, welche Maßnahmen Priorität haben. Wer sie überspringt, implementiert nach Bauchgefühl und wundert sich, warum im Audit trotzdem Abweichungen auftauchen."

Kai Irmler, Head of Compliance Services bei SECJUR

Nicht alles gleichzeitig aufbauen, sondern die Bereiche priorisieren, in denen die Gap-Analyse die größten Lücken gezeigt hat. Typischerweise sind das Zugriffskontrollen, Dokumentation und Incident-Response.

Phase 3 dauert zwischen 2 und 6 Monaten, je nach Ausgangslage. Unternehmen mit einem bestehenden ISMS nach ISO 27001 brauchen deutlich weniger Zeit, weil TISAX auf dem gleichen Fundament aufbaut. Die Überschneidung liegt bei rund 70-80 %.

Phase 4: Prüfdienstleister auswählen und Audit vorbereiten

Für das TISAX-Assessment brauchen Sie einen von der ENX Association akkreditierten Prüfdienstleister. Die Auswahl sollten Sie nicht dem Zufall überlassen. Achten Sie auf drei Kriterien:

Branchenerfahrung: Ein Auditor, der regelmäßig Automobilzulieferer prüft, kennt die typischen Schwachstellen und stellt die richtigen Fragen. Das verkürzt das Assessment und reduziert Überraschungen.

Verfügbarkeit: Gute Prüfdienstleister haben Vorlaufzeiten von 4 bis 8 Wochen. Planen Sie das ein, bevor Sie am Ende unter Zeitdruck geraten.

Kommunikation: Klären Sie vorab, welche Unterlagen der Auditor vor dem Assessment sehen will, und in welchem Format. Manche Auditoren arbeiten mit einer Vorprüfung der Dokumentation (Pre-Audit), was den eigentlichen Assessment-Termin effizienter macht.

Vor dem Assessment lohnt sich ein internes Audit als Generalprobe. Lassen Sie eine Person aus dem Projektteam (oder einen externen Berater) die Rolle des Auditors übernehmen und die Dokumentation und Nachweise durchgehen. Das deckt Lücken auf, die im Tagesgeschäft untergehen.

Mit welchem Budget Sie für die TISAX-Vorbereitung rechnen sollten, erfahren Sie in unserem TISAX Kosten-Guide.

Phase 5: Das Assessment durchlaufen und Nachbesserungen umsetzen

Das eigentliche Assessment dauert je nach Scope und Level zwischen einem und vier Tagen. Bei AL2 findet die Prüfung remote statt (Dokumentenprüfung plus Interviews), bei AL3 kommt der Auditor vor Ort.

Der Auditor prüft zwei Dinge: Erstens, ob die dokumentierten Maßnahmen den VDA ISA Anforderungen entsprechen. Zweitens, ob die Maßnahmen tatsächlich gelebt werden. Ein sauber geschriebenes Verschlüsselungskonzept hilft nichts, wenn in der Praxis Laptops ohne Festplattenverschlüsselung im Einsatz sind.

Nach dem Assessment gibt es drei mögliche Ergebnisse:

ErgebnisBedeutungWas passiert
BestandenAlle Anforderungen erfülltTISAX-Label wird erteilt, gültig für 3 Jahre
Minor AbweichungenKleinere Lücken identifiziertBis zu 9 Monate Zeit für Nachbesserungen, dann Nachprüfung
Major AbweichungenGrundlegende Anforderungen nicht erfülltMaßnahmenplan erforderlich, erneutes Assessment nötig

Ein komplettes Durchfallen ist in der Praxis selten. Die meisten Unternehmen erhalten Minor Abweichungen und haben ausreichend Zeit, diese zu beheben. Die 9-Monate-Frist der ENX Association ist großzügig bemessen.

Realistische Timeline: So lange dauert die TISAX-Vorbereitung

Die Dauer der TISAX-Vorbereitung hängt von zwei Faktoren ab: Ihrer Unternehmensgröße und Ihrer Ausgangslage. Ein Unternehmen ohne bestehendes ISMS braucht deutlich länger als eines, das bereits nach ISO 27001 zertifiziert ist.

PhaseOhne ISMSMit bestehendem ISMS
Scope und Projektsetup2-4 Wochen1-2 Wochen
Gap-Analyse3-6 Wochen2-3 Wochen
Implementierung3-6 Monate1-3 Monate
Auditor-Auswahl und Vorbereitung2-4 Wochen2-4 Wochen
Assessment und Follow-up1-4 Wochen1-2 Wochen
Gesamt6-12 Monate3-6 Monate

Der größte Hebel ist die Ausgangslage. Wer bereits ein ISMS betreibt, hat Richtlinien, Prozesse und Dokumentation. Die TISAX-spezifischen Ergänzungen (vor allem Prototypenschutz und automotive-spezifische Anforderungen) lassen sich darauf aufbauen. Der Vergleich von TISAX und ISO 27001 zeigt, wo die Überschneidungen liegen.

Einen pragmatischen Ansatz für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen finden Sie in unserem TISAX für KMU Guide.

5 typische Fehler in der TISAX-Vorbereitung

Fehler, die Sie vermeiden sollten

  • 1.Scope zu breit definieren
    Jeder Standort und jeder Prozess im Scope kostet Zeit und Geld. Nehmen Sie nur die Bereiche auf, die tatsächlich mit schützenswerten OEM-Informationen arbeiten. Alles andere bläht das Projekt auf.
  • 2.Gap-Analyse überspringen
    Wer direkt mit der Implementierung beginnt, arbeitet nach Bauchgefühl statt nach Daten. Die Gap-Analyse zeigt, wo der größte Handlungsbedarf liegt, und verhindert, dass Ressourcen in Bereiche fließen, die ohnehin schon gut aufgestellt sind.
  • 3.Dokumentation erst kurz vor dem Audit erstellen
    Der Auditor erkennt, ob Dokumente gelebt werden oder hastig zusammengestellt wurden. Richtlinien ohne Versionierung, Schulungsnachweise ohne Teilnehmerlisten, Risikoanalysen ohne nachvollziehbare Bewertung: All das fällt auf.
  • 4.Keine Management-Unterstützung
    TISAX betrifft die gesamte Organisation: IT, HR, Fachabteilungen, Geschäftsführung. Wenn das Projekt als reines IT-Thema behandelt wird, scheitert es an fehlenden Ressourcen und mangelnder Kooperationsbereitschaft anderer Abteilungen.
  • 5.ISMS nach dem Assessment einschlafen lassen
    Das TISAX-Label gilt drei Jahre. Die Rezertifizierung prüft, ob Sie in der Zwischenzeit weitergearbeitet haben. Mit einer Plattform wie SECJUR bleibt Ihr ISMS lebendig: automatische Erinnerungen, zentrale Dokumentation und klare Verantwortlichkeiten sorgen dafür, dass nichts einschläft.

Die TISAX-Vorbereitung ist ein Projekt mit klarem Anfang und Ende, aber das ISMS dahinter ist ein laufender Prozess. Wer das von Anfang an mitdenkt, hat bei der Rezertifizierung nach drei Jahren deutlich weniger Aufwand.

Kai Irmler

Kai ist ein erfahrener Experte für Informationssicherheit und Compliance-Spezialist. Als Head of Compliance Services bei SECJUR unterstützt er Unternehmen beim Aufbau eines effizienten ISMS, der Audit-Vorbereitung und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Mit Erfahrung in diversen Branchen, weiß er worauf es bei erfolgreichen Audits ankommt. Er hat bereits zahlreiche Unternehmen bei der ISO 27001-Zertifizierung oder dem TISAX-Testat begleitet und berät zu IT-Sicherheit und Compliance-Strategien.

Über SECJUR

SECJUR steht für eine Welt, in der Unternehmen immer compliant sind, aber nie an Compliance denken müssen. Mit dem Digital Compliance Office automatisieren Unternehmen aufwändige Arbeitsschritte und erlangen Compliance-Standards wie DSGVO, ISO 27001 oder TISAX® bis zu 50% schneller.

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Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten Fragen zum Thema

Wie lange dauert die TISAX-Vorbereitung?

Die TISAX-Vorbereitung dauert je nach Ausgangslage 3 bis 12 Monate. Unternehmen ohne bestehendes ISMS rechnen mit 6 bis 12 Monaten, Unternehmen mit ISMS mit 3 bis 6 Monaten. Die Implementierungsphase ist der größte Zeitblock.

Was sind die ersten Schritte bei der TISAX-Vorbereitung?

Zuerst definieren Sie den Scope: Welche Standorte, welches Assessment Level, welche Prüfziele. Dann stellen Sie ein Projektteam zusammen und führen eine Gap-Analyse gegen den VDA ISA Katalog durch, um den Handlungsbedarf zu ermitteln.

Welche Dokumente brauche ich für TISAX?

Zu den wichtigsten Dokumenten gehören: Informationssicherheitsrichtlinie, Risikoanalyse, Asset-Inventar, Zugriffskontrollkonzept, Schulungsnachweise und ein Incident-Response-Prozess. Der Auditor prüft, ob diese Dokumente gelebt werden.

Kann ich mich ohne Berater auf TISAX vorbereiten?

Ja, besonders mit ISMS-Plattformen wie SECJUR. Ein Berater ist nicht Pflicht, kann aber bei der Gap-Analyse und Audit-Vorbereitung Zeit sparen. Viele KMU setzen auf eine Kombination aus Plattform und punktueller Beratung.

Was passiert, wenn ich das TISAX-Assessment nicht bestehe?

Sie erhalten einen Maßnahmenplan und haben bis zu 9 Monate Zeit für Nachbesserungen. Danach erfolgt eine Nachprüfung. Ein komplettes Durchfallen ist selten. Die meisten Unternehmen erhalten Minor Abweichungen, die sich gut beheben lassen.

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