



Volljurist und Compliance-Experte
06 Jan 2026
3 Minuten
Als Jurist mit langjähriger Erfahrung als Anwalt für Datenschutz und IT-Recht kennt Niklas die Antwort auf so gut wie jede Frage im Bereich der digitalen Compliance. Er war in der Vergangenheit unter anderem für Taylor Wessing und Amazon tätig. Als Gründer und Geschäftsführer von SECJUR, lässt Niklas sein Wissen vor allem in die Produktentwicklung unserer Compliance-Automatisierungsplattform einfließen.
Der EU AI Act verpflichtet die Unternehmensführungen, klare Strukturen für Governance, Datenqualität und ethische Standards zu etablieren.
Relevante, repräsentative und fehlerfreie Daten sind das Fundament jeder rechtskonformen und fairen KI-Anwendung.
Saubere Daten und klare Governance verhindern Diskriminierung und minimieren rechtliche Risiken.
Wer Datenqualität strategisch steuert, stärkt Vertrauen, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Einführung eines KI-Systems ist für viele Unternehmen der nächste logische Schritt in der Digitalisierung. Doch während die Potenziale enorm sind, lauert im Hintergrund eine Herausforderung, die oft unterschätzt wird: Der EU AI Act. Und dieser macht unmissverständlich klar, dass die Verantwortung für KI nicht bei der IT aufhört, sondern direkt auf dem Tisch der Geschäftsführung liegt.
Wenn Sie gerade evaluieren, wie Sie KI sicher und rechtskonform einführen können, stehen Sie vor einer kritischen Weggabelung. Der falsche Weg führt nicht nur zu empfindlichen Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes, sondern auch zu gescheiterten Projekten. Aktuelle Studien zeigen, dass rund 95 % aller KI-Projekte scheitern – und in 67 % dieser Fälle sind mangelhafte Daten und fehlende Governance die Hauptursache. Ein gescheitertes KI-Pilotprojekt kostet ein deutsches Unternehmen im Schnitt 45.000 €.
Dieser Leitfaden ist Ihr Wegweiser. Er übersetzt die komplexen rechtlichen Anforderungen des AI Acts in eine verständliche und umsetzbare Data-Governance-Strategie. Wir zeigen Ihnen, wie Sie nicht nur Compliance erreichen, sondern Datenqualität als strategischen Vorteil nutzen, um bessere, fairere und profitablere KI-Systeme zu entwickeln.
Der AI Act ist kein vages Rahmenwerk. Insbesondere Artikel 10 legt für Hochrisiko-KI-Systeme sehr konkrete Anforderungen an die Trainings-, Validierungs- und Testdatensätze fest. Er verlangt, dass Daten vier wesentliche Kriterien erfüllen: Sie müssen relevant, repräsentativ, fehlerfrei und vollständig sein.
Lassen Sie uns diese Begriffe aus der juristischen Sphäre in die unternehmerische Praxis überführen:
Die Daten müssen dem beabsichtigten Zweck der KI angemessen sein. Ein KI-Modell zur Vorhersage von Lieferkettenengpässen, das hauptsächlich mit Wetterdaten aus den letzten zwei Jahren trainiert wird, ignoriert möglicherweise langfristige Wirtschaftszyklen und ist somit nicht ausreichend relevant.
Die Datensätze müssen die reale Welt, in der die KI agieren soll, so gut wie möglich widerspiegeln. Ein klassisches Negativbeispiel ist eine KI zur Kreditwürdigkeitsprüfung, die überwiegend mit Daten einer bestimmten demografischen Gruppe trainiert wurde. Ein solches System wird zwangsläufig andere Gruppen diskriminieren und ist nicht repräsentativ. Dies ist einer der häufigsten Gründe für gefährlichen KI-Bias.
Die Daten müssen korrekt und aktuell sein. Veraltete Adressen in einem Logistik-System oder falsch gelabelte Bilder in einer Qualitätskontrolle führen zu unzuverlässigen Ergebnissen und falschen Geschäftsentscheidungen.
Es dürfen keine relevanten Datenpunkte fehlen. Wenn in den Trainingsdaten für ein medizinisches Diagnosetool systematisch Informationen über eine bestimmte Vorerkrankung fehlen, kann die KI die Zusammenhänge nicht lernen und wird unvollständige oder falsche Diagnosen stellen.
Diese vier Säulen sind die Grundlage, auf der jede rechtskonforme KI-Anwendung stehen muss. Sie zu ignorieren, ist keine Option.
Das wohl größte Risiko, das aus mangelhafter Datenqualität resultiert, ist KI-Bias – eine systematische Verzerrung in den Daten, die zu unfairen oder diskriminierenden Ergebnissen führt. Bias ist kein rein technisches Problem, sondern ein direktes Geschäfts- und Haftungsrisiko.
Stellen Sie sich ein KI-Tool vor, das Bewerbungen vorsortiert. Wurde es hauptsächlich mit den Daten männlicher Mitarbeiter trainiert, könnte es Lebensläufe von Frauen systematisch schlechter bewerten, selbst wenn diese gleich oder besser qualifiziert sind. Dies ist nicht nur ethisch inakzeptabel, sondern stellt auch einen klaren Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz dar und macht Ihr Unternehmen haftbar.
Der AI Act zielt genau darauf ab, solche Szenarien zu verhindern. Eine mangelhafte Data Governance, die Bias nicht aktiv erkennt und bekämpft, wird unter dem neuen Gesetz als grobe Fahrlässigkeit gewertet.
Wie können Unternehmen also sicherstellen, dass ihre Daten den strengen Anforderungen genügen? Es geht nicht um einmalige Projekte, sondern um die Etablierung eines kontinuierlichen Prozesses. Dieses 4-Schritte-Framework bietet eine klare Roadmap.
Beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Woher kommen Ihre Daten? Wie werden sie erfasst und gelabelt? Analysieren Sie Ihre Datensätze mit statistischen Methoden und spezialisierten Tools auf potenzielle Verzerrungen. Gibt es unterrepräsentierte Gruppen? Gibt es Datenpunkte, die auf veralteten Annahmen basieren?
Sobald Schwachstellen identifiziert sind, müssen sie behoben werden. Das kann bedeuten, fehlerhafte Einträge zu korrigieren, Duplikate zu entfernen oder veraltete Informationen zu aktualisieren. Um Bias zu mindern, müssen Sie möglicherweise gezielt Daten von unterrepräsentierten Gruppen nacherheben oder Techniken wie die Generierung synthetischer Daten nutzen, um die Balance wiederherzustellen.
Der AI Act verlangt Transparenz. Sie müssen jederzeit nachweisen können, woher Ihre Daten stammen (Herkunft), wie sie verarbeitet wurden und welche Schritte Sie unternommen haben, um ihre Qualität und Repräsentativität sicherzustellen. Eine saubere Dokumentation ist Ihre beste Verteidigungslinie im Falle einer Prüfung. Dies ist ein Kernprinzip von Managementsystemen wie der ISO 27001, das sich nahtlos auf die Anforderungen des AI Acts übertragen lässt.
Daten und die Welt verändern sich. Ein heute repräsentativer Datensatz kann in sechs Monaten veraltet sein. Implementieren Sie Prozesse zur kontinuierlichen Überwachung Ihrer Datenqualität und der Performance Ihrer KI-Modelle. Data Governance ist ein Zyklus, kein einmaliges Projekt.
Während das 4-Schritte-Framework die Grundlage bildet, gibt es fortschrittliche Technologien, die Ihnen helfen können, die Compliance-Anforderungen des EU AI Act noch effizienter und sicherer zu erfüllen.
Diese Ansätze zeigen, dass moderne Data Governance nicht nur ein Mittel zur Risikominderung ist, sondern auch ein Enabler für Innovation.
Der AI Act zwingt Unternehmen dazu, sich ernsthaft mit ihrer Datenstrategie auseinanderzusetzen. Betrachten Sie dies nicht als Last, sondern als Chance.
Ein Unternehmen, das seine Daten im Griff hat, vermeidet nicht nur horrende Strafen. Es trifft bessere Entscheidungen, entwickelt fairere Produkte und baut vertrauenswürdigere Kundenbeziehungen auf. Erfolgreiche KI-Projekte sind nicht nur günstiger in der Umsetzung (durchschnittlich 32.000 €), sondern erzielen laut Studien auch einen beeindruckenden ROI von 340 % innerhalb von 12 Monaten.
Hochwertige Data Governance ist die Eintrittskarte in eine Zukunft mit künstlicher Intelligenz. Sie ist der Unterschied zwischen einem riskanten Experiment und einer nachhaltigen, profitablen Geschäftsstrategie.
Sind Sie bereit, das Fundament für Ihre KI-Zukunft zu legen? Sprechen Sie mit einem unserer Compliance-Experten und erfahren Sie, wie SECJUR Ihnen helfen kann, die Anforderungen des AI Acts sicher und effizient zu meistern.
Nein. Der AI Act betrifft jedes Unternehmen, das Hochrisiko-KI-Systeme in der EU entwickelt, anbietet oder einsetzt. Das reicht vom mittelständischen Maschinenbauer, der KI zur Qualitätskontrolle nutzt, bis zum Finanzdienstleister mit einem KI-gestützten Kreditscoring.
Das ist extrem riskant. Die Anforderungen des AI Acts gelten für die Datensätze, mit denen Ihre KI trainiert wird. Wenn die Grundlage fehlerhaft ist, ist das gesamte System nicht konform. Die Korrektur im Nachhinein ist um ein Vielfaches teurer und aufwendiger als ein sauberer Aufbau von Anfang an.
Anonymisierung ist wichtig für den Datenschutz, löst aber nicht das Problem von Bias und Repräsentativität. Ein Datensatz kann vollständig anonymisiert sein und trotzdem systematische Verzerrungen enthalten, die zu diskriminierenden Ergebnissen führen.
Compliance mit dem AI Act ist eine komplexe Managementaufgabe, die Dokumentation, Risikobewertung und kontinuierliche Überwachung erfordert. Eine zentrale Plattform wie der Digital Compliance Office von SECJUR automatisiert viele dieser Prozesse. Sie hilft Ihnen, die Anforderungen strukturiert abzuarbeiten, alle Nachweise an einem Ort zu verwalten und den Überblick über Ihre Data-Governance-Aktivitäten zu behalten.

Als Jurist mit langjähriger Erfahrung als Anwalt für Datenschutz und IT-Recht kennt Niklas die Antwort auf so gut wie jede Frage im Bereich der digitalen Compliance. Er war in der Vergangenheit unter anderem für Taylor Wessing und Amazon tätig. Als Gründer und Geschäftsführer von SECJUR, lässt Niklas sein Wissen vor allem in die Produktentwicklung unserer Compliance-Automatisierungsplattform einfließen.
SECJUR steht für eine Welt, in der Unternehmen immer compliant sind, aber nie an Compliance denken müssen. Mit dem Digital Compliance Office automatisieren Unternehmen aufwändige Arbeitsschritte und erlangen Compliance-Standards wie DSGVO, ISO 27001 oder TISAX® bis zu 50% schneller.
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Die häufigsten Fragen zum Thema

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